Ein jahrzehntelang gehütetes Geheimnis fällt – die Schufa öffnet ihre Blackbox. Ab dem vierten Quartal 2025 will die Auskunftei einen neuen Bonitätsscore einführen, der erstmals vollständig nachvollziehbar ist. Was bislang als unverständliches Zahlenorakel galt, soll für Verbraucher künftig klar und überprüfbar sein. Millionen Menschen erhalten damit Einblick in eine Bewertung, die über Kredite, Verträge und finanzielle Spielräume entscheidet.
Erstmals: Verbraucher können Score berechnen
Statt hunderter kaum durchschaubarer Einzelkriterien setzt die Schufa künftig auf zwölf zentrale Bewertungsfaktoren. Diese sollen nicht nur die Kreditwürdigkeit möglichst genau prognostizieren, sondern auch leicht verständlich sein. Jedes Kriterium wird mit Punkten bewertet – die Summe ergibt den persönlichen Score, der von 100 bis 999 reichen kann. Je höher der Wert, desto besser die Bonität. Zu den einfließenden Kriterien zählen unter anderem:
- das Alter des ältesten Bankkontos oder Kreditvertrags,
- die Anzahl und Art aktueller Kredite,
- Anfragen bei Banken, Onlinehändlern oder über Vergleichsportale,
- sowie möglilche Zahlungsstörungen.
Die Auswahl dieser Kriterien erfolgte laut Schufa auf Basis von mehr als 250 möglichen Parametern. Ziel: maximale Prognosekraft bei gleichzeitig größtmöglicher Nachvollziehbarkeit.
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Ein Score für alle
Der neue Score ersetzt künftig nicht nur den seit 2006 bekannten Basisscore, sondern auch sechs branchenspezifische Modelle, die bisher von Banken, Telekommunikationsanbietern und Händlern genutzt wurden. Damit verschwindet die bisherige Trennung: Verbraucher sehen künftig denselben Score, den auch Unternehmen erhalten – ein Novum in der Praxis der Bonitätsprüfung. Mehr dazu direkt bei der Schufa unter Bonität: Die Prinzipien des neuen SCHUFA-Scores.
Kostenfreier Einblick über Schufa-Account
Verbraucher benötigen künftig einen digitalen Zugang zur Schufa – inklusive Online-Identifikation via Ausweis-App. Darüber lassen sich dann nicht nur die eigenen Daten einsehen, sondern auch der persönliche Score sowie ein Erklärtool. Dieses zeigt auf, wie sich die einzelnen Kriterien auf die Bewertung auswirken – und ermöglicht hypothetische Rechenbeispiele: Wie verändert sich mein Score, wenn ich einen Kredit aufnehme? Oder eine Kreditkarte kündige?
Regulatorischer Druck und gesellschaftlicher Wandel
Der Kurswechsel der Schufa kommt nicht ohne Druck. Schon 2018 forderte der Sachverständigenrat der Bundesregierung ein „verbrauchergerechtes Scoring“. Spätestens mit dem EuGH-Urteil aus Februar 2025 ist klar: Verbraucher haben ein Recht auf transparente und verständliche Bewertung. Die Schufa reagiert – und versucht gleichzeitig, sich modern und anschlussfähig zu zeigen. Denn: Das Konsumverhalten hat sich verändert. Mehr Kleinkredite, häufiger Bankwechsel, „Buy Now, Pay Later“ beim Online-Shopping – die alte Score-Logik passte nicht mehr zur Lebensrealität vieler Menschen.
Was bleibt – und was sich grundlegend ändert
Die Schufa bleibt weiterhin die zentrale Anlaufstelle für Auskünfte zur Bonität – mit Daten zu über 68 Millionen Menschen. Auch in Zukunft werden Informationen von Banken, Händlern und Telekommunikationsanbietern übermittelt, ebenso wie Einträge aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen. Doch erstmals sollen Betroffene ihre Bewertung nicht nur einsehen, sondern wirklich verstehen – und aktiv beeinflussen können.
Ob der neue Score hält, was er verspricht, wird sich zeigen. Derzeit läuft eine Testphase mit 17 Banken und Unternehmen. Sollte alles planmäßig verlaufen, fällt im vierten Quartal 2025 der Startschuss – mit potenziell weitreichenden Folgen für Verbraucherschutz, Kreditvergabe und Vertrauen in das deutsche Bonitätssystem.
Quelle: Pressemitteilung der Schufa – Titelbild: Andrew Angelov / shutterstock